Neues Projekt: Bildungspartnerschaften in Bremen-Nord

Arbeit mit Eltern soll die Beziehung zwischen Schulen und Familien stärken


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„Was diese Eltern gerade erleben, habe ich selbst erlebt, als ich neu war in Deutschland“, erzählt Iman Al-Najar (li.). Seit dem 1. Oktober ist sie im Rahmen des Projekts „Bildungspartnerschaften in Bremen-Nord“ Ansprechpartnerin für die Eltern an mehreren Grund- und Oberschulen in Bremen-Vegesack. Obwohl die gebürtige Irakerin in ihrer Heimat studiert hatte und gut Englisch sprach, war alles neu und fremd. „Wenn man die Sprache noch nicht gut spricht und nicht versteht, wie das deutsche Behördensystem funktioniert, lässt man sich leicht entmutigen“, erinnert sie sich. Zusammen mit ihren drei Kindern, die in Deutschland geboren sind, habe sie sich weiterentwickelt. Ihre Erfahrung zu teilen, ist jetzt ihre berufliche Aufgabe.

Scharnierstelle zwischen Eltern und Schule

Als erstes will Iman Al-Najar herausfinden, über welche Themen die Eltern gerne sprechen oder mehr erfahren würden. An vier Grund- und Oberschulen ist sie das Gesicht der Bildungspartnerschaften und soll als „Eisbrecherin“ einen engeren Kontakt zwischen Schule und Eltern herstellen. Iman Al-Najar spricht mehrere Sprachen und ist verwurzelt im Quartier, man kennt sie und vertraut ihr. Seit vielen Jahren engagiert sie sich in Bewohntertreffs. Eine Kollegin vom Evangelischen Bildungswerk, dem Projektpartner der VHS, ist in derselben Funktion an fünf weiteren Schulen in Bremen-Blumenthal unterwegs, um Eltern persönlich anzusprechen und einzuladen.

Integration geht durch den Magen

Elterncafés und Kochclubs am Vormittag sind erste Schritte als Türöffner, je nachdem, welche räumlichen Möglichkeiten die Schulen haben. „Durch solche niedrigschwelligen Angebote wollen wir es den Eltern ermöglichen, Ängste und Sprachbarrieren zu überwinden“, beschreibt Haleh Soleymani, Leiterin der Regionalstelle Nord der Bremer VHS (re.), den Ansatz des Projekts. „Schule ist für viele Mütter und Väter gleichbedeutend mit Behörde und entsprechend angst- oder sogar schambehaftet. Dabei gehören Schule und Alltag eng zusammen.“ Ein wichtiges Ziel ist, das Verantwortungsgefühl der Eltern und ihre Freude daran zu stärken, sich für die Belange ihrer Kinder einzusetzen, zum Beispiel beim Übergang zur weiterführenden Schule.

Geschützter Raum für kulturelle Unterschiede

Die wöchentlichen Treffen, die Iman Al-Najar jetzt organisiert, sollen immer auch eine Gelegenheit zur informellen Beratung bieten. Zu Themen des Alltags rund um Schule, Jobcenter, Miet- oder Mobilfunkverträge oder elektronische Mensa-Bezahlsysteme gibt es schließlich viele erklärungsbedürftige Details. Je nach Interesse der Teilnehmenden sollen Grundbildungsangebote rund um Erziehung, Ernährung, Mediennutzung, Gewaltprävention oder Sprachförderung hinzukommen. Hier setzen die Projektpartner auf mehrsprachige Dozent*innen, aber auch darauf, dass die Eltern sich gegenseitig unterstützen, gemeinsam Spaß haben und in ihrem Stadtteil Netzwerke aufbauen. Beim Kochen oder Einkaufen ergeben sich Themen wie Esskultur und gesunde Ernährung von selbst.

Modellcharakter für ganz Bremen

In der sechsmonatigen Pilotphase ermitteln die Mitarbeiterinnen im kleinen Maßstab den Bedarf der Eltern und entwickeln passgenaue Maßnahmen für „ihre“ Schulen. Dokumentation und Evaluation sind darauf ausgerichtet, dass in Zukunft weitere Grund- und Oberschulen in Bremen-Nord teilnehmen und von den jetzt gesammelten Erfahrungswerten der Bildungspartnerschaft profitieren können. 

Für das Modellprojekt „Bildungspartnerschaften in Bremen-Nord“ haben sich die vier anerkannten Weiterbildungseinrichtungen in Bremen - die Bremer Volkshochschule, das Evangelische Bildungswerk Bremen, das Paritätische Bildungswerk und Arbeit und Leben e. V. - zu einem Kooperationsverbund zusammengeschlossen. Es wird finanziert im Rahmen des „Landesprogramms zur Förderung von Bildungsangeboten im Bereich der Bildungspartnerschaften zwischen Schulen und Eltern“.

 

Zum Kontaktformular
Beratung und Anmeldung: Regionalstelle Nord Tel.: 0421 361-7319 oder nord@vhs-bremen.de